Ein einziger Satz in Ihrem Arbeitszeugnis entscheidet über Ihre Note. Er steht meist gegen Ende des Leistungsteils und enthält das Wort «Zufriedenheit». Zwei kleine Wörter darin bestimmen, ob Sie eine Eins oder eine Vier bekommen haben.
Die Zufriedenheitsformel funktioniert über zwei Verstärker. Der erste ist das Wort «stets». Es sagt aus, dass die Leistung durchgehend gut war und nicht nur zeitweise. Der zweite ist die Steigerungsform «vollsten» statt «vollen» – ein Superlativ, der signalisiert: mehr geht nicht.
Sind beide vorhanden, haben Sie die Bestnote. Fehlt einer, sinken Sie eine Stufe. Fehlen beide, landen Sie im Mittelfeld oder darunter. Das klingt kleinlich, ist aber in der Personalarbeit seit Jahrzehnten etabliert und wird von jeder erfahrenen HR-Fachperson in Sekunden gelesen.
| Note | Formulierung | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1 | stets zu unserer vollsten Zufriedenheit | sehr gut |
| 2 | stets zu unserer vollen Zufriedenheit | gut |
| 3 | stets zu unserer Zufriedenheit oder zu unserer vollen Zufriedenheit | befriedigend |
| 4 | zu unserer Zufriedenheit | ausreichend |
| 5 | insgesamt zu unserer Zufriedenheit | mangelhaft |
| 6 | hat sich stets bemüht | ungenügend |
Einschränkende Wörter vor der Formel heben sie teilweise wieder auf. Insgesamt, im Grossen und Ganzen, im Allgemeinen, weitgehend – jedes davon bedeutet übersetzt: meistens ja, aber eben nicht immer. In einem guten Zeugnis kommt keines dieser Wörter vor.
Ein Beispiel: «Herr Muster erledigte seine Aufgaben insgesamt zu unserer vollen Zufriedenheit» klingt beim ersten Lesen freundlich. Tatsächlich steht dort eine Vier bis Fünf.
Wer sich bemüht, hat es versucht und nicht geschafft. Diese Formulierung ist die schärfste Abwertung, die in der Zeugnissprache gebräuchlich ist, und im Bewerbungsprozess ein K.-o.-Kriterium. Wenn sie in Ihrem Zeugnis steht, sollten Sie in jedem Fall eine Berichtigung verlangen.
Für das Sozialverhalten gibt es eine eigene, ähnlich aufgebaute Skala:
«Korrekt» klingt im Alltag nach Lob. In der Zeugnissprache ist es das Minimum: formal nichts vorzuwerfen, aber auch keinerlei Wertschätzung.
Ein Zeugnis mit Note 3 oder schlechter sollten Sie beanstanden. In der Schweiz haben Sie nach Art. 330a OR Anspruch auf ein wahres und wohlwollendes Zeugnis. Formulieren Sie Ihre Forderung konkret und liefern Sie den gewünschten Ersatzsatz gleich mit – das ist der wirksamste Hebel überhaupt.
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Toolkit ansehen – CHF 29«Vollsten» ist der Superlativ und steht für die Bestnote. «Vollen» ist eine Stufe darunter. Der Unterschied von einem Buchstaben entspricht einer ganzen Notenstufe.
Das entspricht der Note 2. Der Superlativ ist da, aber ohne «stets» fehlt die Aussage, dass die Leistung durchgehend war.
In der Schweiz haben Sie Anspruch auf ein leistungsgerechtes Zeugnis. In Deutschland müssen Sie eine Bewertung besser als «befriedigend» selbst belegen – dort trägt der Arbeitnehmer die Beweislast, so das Bundesarbeitsgericht 2014.