Arbeitszeugnis-Geheimcodes: 12 Formulierungen und was sie wirklich heissen

Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein. Weil aber nicht jede Leistung gut war, hat sich über Jahrzehnte eine Ersatzsprache entwickelt: Sätze, die freundlich klingen und das Gegenteil bedeuten. Hier sind die wichtigsten.

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Codes zur Leistung

«Er zeigte Verständnis für seine Arbeit»

Übersetzt: Er hat verstanden, was zu tun war, und es nicht getan. Der Code steht für Untätigkeit trotz vorhandener Einsicht.

«Sie erledigte alle Aufgaben mit grossem Fleiss und Interesse»

Wird der Einsatz gelobt, aber nirgends ein Ergebnis genannt, ist das eine Verlegenheitsformel: viel Anstrengung, wenig Wirkung. Achten Sie darauf, ob im Zeugnis irgendwo steht, was tatsächlich erreicht wurde.

«Er erledigte die ihm übertragenen Arbeiten ordnungsgemäss»

Reine Pflichterfüllung ohne Eigeninitiative. Signalisiert einen Mitarbeitenden, der genau das Nötigste tut und nicht mitdenkt.

«Im Rahmen seiner Fähigkeiten»

Die Leistung wird an einem bewusst niedrig angesetzten Massstab gemessen. Botschaft: Mehr war von dieser Person nicht zu erwarten.

Codes zur Person

«Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei»

Der schädlichste Code überhaupt. «Geselligkeit» in Verbindung mit Betriebsklima gilt als verdeckter Hinweis auf Alkoholkonsum am Arbeitsplatz. Wenn das in Ihrem Zeugnis steht, beanstanden Sie es sofort – es ist weder wahr noch wohlwollend.

«Er zeigte ein gesundes Selbstvertrauen»

Selbstüberschätzung. Verwandt damit: «wusste sich gut zu verkaufen» – hat sich besser dargestellt, als die Leistung war.

«Wir bestätigen gerne seine Ehrlichkeit»

Ehrlichkeit wird vorausgesetzt und normalerweise nicht erwähnt. Wird sie eigens hervorgehoben, lesen Personalverantwortliche das als Hinweis auf einen früheren Verdacht.

«Durch seine Pünktlichkeit war er stets ein gutes Vorbild»

Wenn Pünktlichkeit die hervorgehobene Stärke ist, gab es fachlich nichts zu loben.

«Er war seinen Mitarbeitern jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter»

Bei Führungskräften: konnte sich nicht durchsetzen. Führungsschwäche, freundlich verpackt.

Codes in der Schlussformel

«Das Arbeitsverhältnis endet im gegenseitigen Einvernehmen»

Klingt neutral, wird von HR aber häufig so gelesen, dass die Trennung vom Arbeitgeber ausging. Wenn Sie selbst gekündigt haben, sollte dort «auf eigenen Wunsch» stehen.

Wenn der Dank fehlt

Zu einer vollständigen Schlussformel gehören drei Elemente: Bedauern über den Weggang, Dank für die Arbeit, gute Wünsche für die Zukunft. Fehlt eines davon, ist das kein Versehen, sondern ein gut lesbares Signal der Distanzierung.

«Wir wünschen ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute»

«Lebensweg» statt «beruflichen Weg» kann andeuten, dass eine Rückkehr nicht erwünscht ist.

Sind diese Codes überhaupt erlaubt?

Nein. In der Schweiz folgt aus dem Klarheitsgebot, dass verschlüsselte Formulierungen unzulässig sind. In Deutschland verbietet § 109 Abs. 2 GewO ausdrücklich Formulierungen, die eine andere als die aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage treffen. Das ist Ihr stärkstes Argument: Sie können die Streichung allein deshalb verlangen, weil die Formulierung codiert ist – ganz ohne Streit über die Bewertung selbst.

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Häufige Fragen

Sind Geheimcodes im Arbeitszeugnis verboten?

Ja. In der Schweiz folgt das aus dem Klarheitsgebot, in Deutschland aus § 109 Abs. 2 GewO. In der Praxis werden sie trotzdem verwendet, oft aus Gewohnheit oder weil alte Vorlagen kopiert werden.

Woran erkenne ich, ob mein Zeugnis Codes enthält?

Achten Sie auf Lob, das kein Ergebnis nennt, auf einschränkende Wörter wie «insgesamt», auf ungewöhnliche Reihenfolgen und auf eine unvollständige Schlussformel.